Arithmetik beim Preisschafkopf: Wie Taktik Schlachten gewinnt und Mathematik Kriege

Jedes Jahr wird die ewige Tabelle des MC-Preisschafkopfs neu veröffentlicht und jede und jeder sucht auf ihr gierig Namen, um Platz, Punkte und Schnitt darauf abzulesen. Auf die obersten Zeilen blicken wohl die meisten Schafkopfer schon lange nicht mehr. Die Plätze dort scheinen fest zementiert, als ob es der ewigen Ordnung des Preisschafkopf-Alls entspräche, dass Andi und Josef Grasser diese Tabelle vor Josef Karl anführen.
Diese drei Herrscher der ewigen Tabelle haben sich dort als Triumvirat eingerichtet und lächeln nur müde über die jährlich neuen Versuche, ihnen näher zu kommen – an einen Sturz ist in dieser Weltordnung nicht einmal zu denken.
Ein einziger aufständischer Zocker, Bini Christ nämlich, hat es im letzten Jahrzehnt mit viel Mühe und großem Einsatz geschafft, zumindest in Schlagdistanz zum dritten der drei zu gelangen: „nur“ noch 180 Punkte trennen ihn von Josef Karl.
Doch die Aufständischen um Bini geben nicht auf. Immer wieder neu versuchen sie, die Weltordnung zu ändern und das Triumvirat zu stürzen. Immer mehr Zocker können sie in ihren um den Globus verteilten Ausbildungslager rekrutieren. So verfügen sie im Jahr 2010 bereits über ein Kontigent von 29 Mann, so dass die Schlacht gegen das Triumvirat diesmal an acht Tischen geschlagen werden konnte.
Um dem Ziel, das Triumvirat zu stürzen, endlich näher zu kommen, hatten sich die Aufständischen darauf verständigt, der Macht der drei Männer die Taktik der vier Ober entgegenzusetzen:
1. Eichel-Ober: Nach seinem unglücklichen zweiten Platz im Vorjahr mit 118 Punkten wurde Andi Gleißner im Ausbildungscamp in Regensburg weiter zum Elite-Schafkopfer ausgebildet und Anführer Bini Christ als Co-Kommandant zur Seite gestellt.
2. Grün-Ober: Junge Zocker wurden im Weidener Ausbildungscamp zu stahlharten
Schafkopfern getrimmt und sollten mit ihrer jugendlichen Unbekümmertheit punkten.
3. Herz-Ober: Bereits altersschwache und von vielen Kämpfen gezeichnete Veteranen wurden in verschiedenen Sanatorien aufgepäppelt, um ihnen Kraft und Frische zurückzugeben.
4. Schellen-Ober: Die beiden MC-Präfekten Alex Lacher und Frederic Bäuml bildeten ein Tandem und sollten das in die Jahre gekommene Triumvirat durch lange zermürbende Gefechte müde machen.
Alle waren gespannt, wie das Triumvirat in die Schlacht ziehen würde. Hatte es aus der vernichtenden Niederlage des vergangen Jahres mit den Plätzen 13, 14 und 16 gelernt? Oder machte es den Fehler, den viele Mächtige machen, Niederlagen als einmalige Ausrutscher abzutun und die Zeichen der Zeit falsch zu deuten?
Die Schlacht begann und schnell zeigte sich, dass die drei mächtigen Männer zurückgedrängt werden konnten. Während sie mit 22, 35 und 42 Punkten eine bescheidene Runde spielten, schien die Vier-Ober-Taktik der Aufständischen aufzugehen. Besonders die beiden jungen Zocker Fabian Deubzer mit 66 Punkten und Franz Hermann mit 60 Punkten zeigten, zu welchen Leistungen gut ausgebildete Recken fähig sind.
Auch in der zweiten Runde hatte das Triumvirat der Vier-Ober-Taktik der Aufständischen nichts mehr entgegenzusetzen.
Der Alte stach doppelt, Co-Kommandant Andi dominierte den Preisschafkopf und zog mit insgesamt 108 Punkten als verdienter Sieger zur Siegesfeier ins Weidener Nachtleben hinaus. Bini wurde mit 91 Punkten sechster der Gesamtwertung.
Der Grün-Ober stach besonders in Person des erst 15-jährigen Fabian Deubzer, der sich mit 101 Punkten den zweiten Platz sicherte. Erwähnenswert ist auch der gute achte Platz von Bernhard Mörtl mit 87 Punkten.
Herz konnte ebenfalls stechen. Ober-Veteran Femi wurde in einem geheimen Sanatorium so weit aufgepäppelt, dass er bei einem bisherigen Punkteschnitt von 57,55 Punkten bei 11 Teilnahmen diesmal schier unvorstellbare 86 Punkte und damit den neunten Platz erreichte. Auch Veteran Michael Herrmann, der mit 93 Punkten als dritter das Siegerpodest erklomm, zeigte eine Leistung, die ihm den Schafkopf-Veteranen-Orden einbringen könnte.
Selbst Schellen stach. Das Tandem Alex und Frederic zeigte, dass 30 Schafkopfspiele zur Not auch die ganze Nacht dauern können und machte damit das Triumvirat müde. Durch ihren letzten Platz nahmen sie Josef Karl sogar die Möglichkeit, wenigstens den Trostpreis einzuheimsen, so dass dieser sich mit dem vorletzten Platz begnügen musste.
Am Ende belegte das Triumvirat die Plätze 15 (Andi), 23 (Josef) und wie erwähnt 31 und unterbot damit sogar ihr miserables Ergebnis des letzten Jahres. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich bis zum nächsten Mal sammeln und neu aufrichten können.
Am Blick auf die ewige Tabelle wird sich trotz dieser Demütigung des Triumvirats auch in diesem Jahr nichts ändern, außer dass Bini den Rückstand auf Josef Karl noch weiter auf 138 Punkte verkürzen konnte.
Wenn auch die Möglichkeit greifbar erscheint, dass Bini das Triumvirat in den nächsten Jahren sprengen kann, so bleibt es doch fraglich, ob die dann verbliebenen Grasser-Konsuln je ernsthaft in Gefahr gebracht werden können.
Angesichts dieser nicht besonders ermunternden Aussichten wäre es vielleicht für die Aufständischen einen Versuch wert, die Mathematik als Verbündeten in diesem zähen und langen Krieg zu gewinnen. Würde man beispielsweise die ewige Tabelle nicht mehr nach der Gesamtpunktzahl, sondern nach dem Durchschnitt erstellen, so könnte dem Triumvirat mit einem Schlag der Todesstoß versetzt werden. Zur Stärkung der Moral der Aufständischen habe ich die ewige Tabelle einmal so erstellt. In einer solchen Tabelle würden selbstverständlich die Teilnehmer erst ab einer gewissen Anzahl von Teilnahmen auftauchen. Im Beispiel habe ich vier Teilnahmen als Kriterium für die Aufnahme ausgewählt.
Am Ende bleibt mir noch, Werner Heindl erneut Danke zu sagen für das Sammlen/Spenden der Preise. Unsere Missionare freuen sich über das Startgeld in Höhe von 106 Euro.

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