Vortrag von Christian Schwägerl beim Sodalenring

„Designer-Baby“ sorgt für Aufschrei

Gentechnologie: Christian Schwägerl erkennt starke ethische Konflikte, aber auch große Chancen

Weiden (uz) Erklärtes Ziel der Genwissenschaft: Steigerung der Lebenserwartung auf 120 Jahre und deutliche Anhebung der Gesundheit im Alter. „Forscher wollen uns mit Ersatzgeweben versorgen”, behauptete der Biologe Christian Schwägerl am Freitagabend beim Katholischen Bildungswerk im Pfarrheim Herz Jesu.

Schwägerl, ein gebürtiger Weidener, ist Wissenschaftskorrespondent bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Vor großer Runde referierte er zum Thema „Chancen und Gefahren der Gentechnik – Jungbrunnen oder Spiel mit dem Feuer”. Im Moment seien die Gegner ganz klar in Überzahl. Es gebe weltweite Anstrengungen, den „Weg in die Unsterblichkeit”, also das Klonen von Menschen, zu verbieten.

Bei der Nachzucht von Gewebespendern sei das ethische Konfliktfeld schon eher gespalten. Was in Deutschland verboten sei, sei in den USA, in England, Frankreich, Großbritannien und Belgien bereits gängige Praxis. Deshalb vermied es der Referent tunlichst, ein Bild a la George Orwell’s Roman „1984″ zu zeichnen.

Im Gegenteil zum alles überwachenden Orwellschen „Großen Bruder” sollten bei der Präimplantationsdiagnostik Betroffene nach Willen der Wissenschaft selbst über ihr Schicksal entscheiden dürfen. Um das Problem deutlicher zu machen, zitierte Schwägerl den US-Satiriker Woody Allen:

„Ich möchte nicht in den Herzen meiner Landsleute weiterleben, ich möchte in meinem Appartement weiterleben.” Der Traum von der ewigen Jugend sei alt, sagte der Referent. Auch Eltern hätten ein natürliches Interesse am gesunden Nachwuchs.

[inspic=74,right,,0] Die neuen Technologien bedeuteten zwar „ Impfstoffe gegen Krebs” würden aber auch starke ethische Fragen aufwerfen. Biologen sprächen von Zufallsprodukten der Evolution. Schwägerl: „Vielleicht liegt gerade in diesem Zufall ein Stück Ethik.” Die Frage müsse deshalb lauten: „Sind menschliche Embryonen schützenswertes Leben? Dürfen Eltern über die genetische Ausstattung ihrer Kinder bewusst entscheiden?” Der Referent: „Wir sprechen hier über den Embryo in seiner frühesten Phase: bis maximal 200 Zellen.” Wenngleich es natürlich starke Argumente gebe, dass auch diese Wesen zur menschlichen Familie zählten.

„Es ist nicht unbedingt schwierig einen Men­schen zu klonen. Die Ausrüstung hierzu passt in ein Auto.” Dr. Christian Schwägerl.

Schwägerl beleuchtete den ethischen Konflikt näher: Von zehn bis 20 erzeugten Embryos würden nur zwei „brauchbare” eingepflanzt. Die restlichen würden abgetötet und der Wissenschaft zugeführt. In den USA sei diese Praxis am weitesten verbreitet. Dafür spreche die Chance auf gesunde Babys, die Beseitigung genetischer Schäden auch für späteres Generationen und das Ersparen einer späteren Abtreibung. Contra: Tötung von Embryonen, willkürliche Entscheidung über „lebenswert” oder nicht. Und: ,,Die Entscheidung liegt allein bei den Ärzten, nicht bei den Eltern.” Der Weg zum Designerbaby sei frei.

„Es ist nicht unbedingt schwierig einen Menschen zu klonen”, wusste der Biologe. „Die Ausrüstung hierzu passt in ein Auto.” Deshalb sei Wildwuchs zu befürchten. „Eine frustrierende Einsicht.” Zumal „drei dubiose Teams” die baldige Zeugung eines Klonbabys angekündigt hätten. Befürworter glaubten an eine andere Art der Fortpflanzung. Die Verantwortung für das Baby läge weiterhin in der Hand der Eltern. Unfruchtbare Paare könnten Kinder bekommen. Aber: Niemand habe das Recht zu bestimmen, dass er die genetische Kopie eines anderen sei.

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