Dr. Richard Nebel lüftet religiöse Schleier
“Leibhaftiger Ketzer”: Bayreuther Religionswissensichaftler zu Gast im Pfarrheim Herz Jesu
Weiden. (rns) Einen “leibhaftigen Ketzer” hatte Bernhard Feneis, der Vorsitzende des Sodalenrings, zu seiner Gemeinschaft ins Pfarrheim Herz Jesu eingeladen. Der Bayreuther Religonswissenschaftler Dr. Dr. Richard Nebel war vom “Bannstrahl” des Erzbischofs von Mexiko getroffen worden, als er an Grundfesten gerüttelt hatte, an die Millionen von Mexikanern mit Inbrunst glauben.
Im Jahr 1531 soll die Jungfrau Maria dem Indio Juan Diego vier Mal erschienen sein. Dieser soll daraufhin bis an sein Lebensende keusch gelebt, aber trotzdem vier Kinder gehabt haben.
Wallfahrtsort mit 20 Millionen Besuchern
Der Ort, an dem die”Jungfrau von Guadeloupe” dem Mann erschienen sein soll, entwickelte sich seither zum meist frequentierten Wallfahrtsort der Erde – mit 20 Millionen Besuchern pro Jahr weit bedeutender als Lourdes oder Fatima. Juan Diego, vom Papst bei seinem Mexiko-Besuch 1990 selig gesprochen, soll nun auch heilig gesprochen werden. Dr. Nebel, der sich bereits anfangs der 70er Jahre bei Studien in Mittelamer ika mit dieser M arienerscheinung befasste, publizeirte, dass er keinerlei wissenschaftlichen Beweis dafür gefunden habe, dass Juan Diego je geleb t habe. Bereits in seiner Doktorarbeit über “Altmexikanische Religion und christliche Heilsbotschaft ” und seiner Habilitationsschrift für die Universität Würzburg “Religiöse Kontinuität und Transformation in Mexiko” befasste er sich damit.
Diego birgt politische Brisanz
Der Privatdozent an der Bayreuther Uni erkannte die politikhe Brisanz, die in der Person Diego steckt. Wenn er tatsächlich gelebt hat, wenn ihm die Jungfrau erschienen ist, könnten die unterdrückten Indios daraus interpretieren: “Gott hat sich uns selbst offenbart! Wir brauchen kein Rom und kein Jerusalem! Wir brauchen euch Europäer nicht! ” Der erste indianische Heilige wäre somit ein Symbol für die Menschenrechte, gegen Rassismus, gegen die USA. “Jetzt habt ihr vielleicht endlich einen Heiligen! Warum macht ihr aus Juan Diego einen Asexuellen, einen Vollidioten?”, kritisierte Dr. Nebel die Le gendenbildung um die Marienerscheinung. Dem 55-Jährigen, den in Mittelamerika viele als “einen der großen Theologen der alten Welt” schätzen, stimmten viele zu. Auch Kirchenleute, wie der Abt des größten mexikanischen Klosters. Mittlerweile erhielt er vom Erzbischof auch ein “Entschuldigungsschreiben”. Richtig gestellt in den Publikationen wurde seine “Verdammung” allerdings noch nicht.
In seinem beeindruckenden Vortrag ging Nebel auch auf andere zeitgeschichtlich bedeutsame Probleme ein. Er führte die Vermischung aztekischen Glaubens mit christlicher Mytologie vor Augen, berichtete von Marienerscheinungen an anderen Orten und stellte einiges richtig.
“Jugend will von der Kirche nichts wissen”
“Was wissen wir wissenschaftlich gesehen von Gott? – Nichts!”, so sein Credo. Trotzdem ist es sicher, dass es ihn gibt! Auch stimme es nicht, dass die Jugend von Religion nichts wissen will. Sie wolle nur “von der Kirche nichts wissen, sagte Nebel.
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